Bauweisen und Systeme grüner Infrastruktur im Gebäudebereich

Technische Grundlagen und Systemtypen für Dach- und Fassadenbegrünung

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Wo kein oder wenig Platz für Bäume auf dem Boden ist, müssen wir an andere Flächen denken..



Sie erfahren in diesem Artikel Folgendes
🌳 Überblick über zentrale Dach- und Fassadenbegrünungssysteme
🌳 Technische Unterschiede: Aufbau, Funktion und Pflegeanforderungen
🌳 Systemwahl abgestimmt auf Gebäude, Nutzung und Klimaziele


🌱 Einordnung: Von der Wirkung zur Umsetzung


Nachdem die Wirkungen grüner Infrastruktur im Gebäudebereich beschrieben wurden, stellt sich die Frage der konkreten Umsetzung. Grüne Infrastruktur umfasst unterschiedliche Bauweisen und Systeme, die sich in Aufbau, Funktion, Pflegeaufwand und Anwendungsbereich unterscheiden.


Die Auswahl geeigneter Bausysteme richtet sich dabei unter anderem nach dem Gebäudetyp und der vorhandenen Tragfähigkeit, danach, ob es sich um einen Neubau oder einen Bestandsbau handelt, sowie nach den jeweiligen Zielsetzungen der Klimaanpassung – etwa in Bezug auf Hitzeschutz, Starkregenvorsorge oder Biodiversität. Auch Nutzungsanforderungen und Pflegekonzepte spielen eine wesentliche Rolle. Im Folgenden werden zentrale Bauweisen der Dach- und Fassadenbegrünung vorgestellt.


Visual: Links: Von KGSK geplantes Gründachprojekt. Rechts: Von KGSK geplantes Fassadenbegrünungsprojekt

🌿Varianten von Dachbegrünungen

Um die Systemvielfalt greifbar zu machen, betrachten wir zunächst einen der drei grundlegenden Dachbegrünungstypen. Er veranschaulicht Aufbau, Funktionsweise und typische Einsatzbereiche exemplarisch.

Extensive Dachbegrünung

Intensive Dachbegrünung

Retentionsdächer

(Gründächer mit Wasserrückhalt)

Visual: Extensive Dachbegrünung – Aufbau und beispielhafte Umsetzung.

Links: Schematische Darstellung des Systemaufbaus mit Vegetations-, Substrat-, Filter- und Dränageschichten zur Regenwasserspeicherung und -ableitung.

Rechts: Praxisbeispiel einer extensiven Dachbegrünung mit niedrig wachsender Vegetation.

🌱 Extensive Dachbegrünung


Extensive Dachbegrünungen sind durch einen einfachen, leichten Aufbau und einen geringen Pflegeaufwand gekennzeichnet und eignen sich besonders für großflächige Dächer sowie für den Gebäudebestand. Sie verfügen über geringe Substrathöhen und sind mit trockenheitsverträglicher Vegetation wie Sedum, Moosen oder Kräutern bepflanzt, wodurch nur geringe zusätzliche Lasten auf das Gebäude wirken.


Aufgrund ihres Aufbaus sind extensive Dachbegrünungen in der Regel nicht als Aufenthaltsflächen nutzbar. Typische Einsatzbereiche sind Gewerbe- und Industriebauten, Verwaltungs- und Wohngebäude sowie Hallen, Parkhäuser und andere Flachdächer.


🌱 Intensive Dachbegrünung


Intensive Dachbegrünungen ermöglichen eine vielfältige Vegetation und eine aktive Nutzung der Dachfläche. Aufgrund der höheren Substrataufbauten und der damit verbundenen Lasten eignen sie sich vor allem für entsprechend ausgelegte Neubauten oder statisch geeignete Bestandsgebäude.


Charakteristisch sind die großen Substrathöhen, die eine vielfältige Bepflanzung mit Stauden, Sträuchern und gegebenenfalls Bäumen erlauben und dadurch eine hohe ökologische sowie gestalterische Qualität bieten. Gleichzeitig erfordern intensive Dachbegrünungen einen regelmäßigen Pflege- und Bewässerungsaufwand. Typische Einsatzbereiche sind Wohngebäude, Bildungs- und Verwaltungsbauten sowie Dachgärten und andere nutzbare Freiflächen


Intensive Dachbegrünung – Aufbau und beispielhafte Nutzung.

Links: Schematische Darstellung des Systemaufbaus mit hoher Substratschicht, Dränage und wurzelfester Abdichtung zur Pflanzen- und Wasserspeicherung.

Rechts: Praxisbeispiel einer intensiv begrünten Dachfläche mit vielfältiger Vegetation und Nutzung als Aufenthalts- und Freiraum.

Visual: Extensive Dachbegrünung – Aufbau und beispielhafte Umsetzung.

Links: Schematische Darstellung des Systemaufbaus mit Vegetations-, Substrat-, Filter- und Dränageschichten zur Regenwasserspeicherung und -ableitung.

Rechts: Praxisbeispiel einer extensiven Dachbegrünung mit niedrig wachsender Vegetation.

🌱 Retentionsdächer (Gründächer mit Wasserrückhalt)


Retentionsdächer stellen eine Weiterentwicklung der Dachbegrünung dar und sind gezielt auf den Rückhalt sowie die verzögerte Ableitung von Niederschlagswasser ausgelegt. Sie kombinieren begrünte Dachaufbauten mit technischen Speicherelementen, sodass Regenwasser temporär zurückgehalten und gedrosselt abgeführt werden kann.


Dadurch leisten Retentionsdächer einen wichtigen Beitrag zur Starkregenvorsorge und zur Entlastung der Kanalisation. Sie lassen sich sowohl mit extensiven als auch mit intensiven Dachbegrünungen kombinieren. Typische Einsatzbereiche sind stark versiegelte Stadtgebiete, Neubauquartiere sowie Gebäude mit erhöhten Anforderungen an das Regenwassermanagement.


🌿Varianten von Fassadenbegrünung

Je nach baulichen Voraussetzungen und Zielsetzung kommen unterschiedliche Systeme der Fassadenbegrünung zum Einsatz. Die folgenden Typen verdeutlichen die technischen Optionen und ihre Einsatzbereiche.

Bodengebundene Fassadenbegrünung

Troggebundene Fassadenbegrünung

Wandgebundene Fassadenbegrünung

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Visual: Bodengebundenefassadenbegrünung

Zweites Bild: Darstellung verschiedener Arten der Fassadenbegrünung. Quelle „Gutachten Fassadenbegrünung“ TU Darmstadt

 ðŸŒ¿  Bodengebundene Fassadenbegrünung


Bei bodengebundenen Systemen wachsen Kletterpflanzen direkt vom Boden aus entlang der Fassade. Diese Bauweise ist technisch vergleichsweise einfach und ökologisch gut in den Standort integriert. Der direkte Bodenanschluss ermöglicht eine natürliche Wasser- und Nährstoffversorgung, während der technische Aufwand gering bleibt.


Gleichzeitig ist die gestalterische Freiheit begrenzt, da die Begrünung stark von den Wachstumsbedingungen am Standort abhängt. Bodengebundene Fassadenbegrünungen eignen sich insbesondere für Bestandsgebäude mit niedrigen bis mittleren Fassaden sowie für Wohn- und Verwaltungsbauten.


🌱 Troggebundene Systeme zur Fassadenbegrünung


Troggebundene Systeme stellen eine konstruktive Umsetzungsmöglichkeit der Fassadenbegrünung dar, insbesondere dort, wo ein direkter Bodenanschluss nicht möglich ist oder Begrünung gezielt oberhalb des Erdgeschosses realisiert werden soll.


Bei dieser Bauweise werden Kletterpflanzen oder andere geeignete Vegetationsformen in separaten Pflanztrögen kultiviert, die an oder vor der Fassade angeordnet sind. Substrat sowie Wasser- und Nährstoffversorgung sind innerhalb der Tröge integriert, wodurch eine standortunabhängige Begrünung ermöglicht wird.


Typische Einsatzbereiche sind Gebäude mit stark versiegelten Außenflächen, Bestandsgebäude ohne Bodenanschluss, Fassadenbegrünungen in oberen Geschossen sowie Dachterrassen und Übergangsbereiche. Bei der Planung sind insbesondere die statischen Lasten der Pflanztröge, die Bewässerung und Entwässerung, die sichere Befestigung einschließlich geeigneter Rankstrukturen sowie die langfristige Pflege und Zugänglichkeit zu berücksichtigen. Troggebundene Systeme erweitern die Möglichkeiten der Fassadenbegrünung erheblich und ermöglichen eine flexible Umsetzung grüner Infrastruktur im Gebäudebereich.


Troggebundene Fassadenbegrünung in Planung und Umsetzung

Systemaufbau mit Pflanztrögen und Rankstruktur (erstes Bild) sowie realisierte Begrünungslösung im Bestand (zweites Bild) zur klimaangepassten Fassadengestaltung von KGSK.

Wandgebundene Fassadenbegrünung in der Praxis.

Projektbeispiel eines Gebäudes mit modularer, wandgebundener Begrünung zur Verbesserung des Mikroklimas und der Aufenthaltsqualität; KGSK war in die planerische Umsetzung eingebunden.

🌱 Wandgebundene Fassadenbegrünung


Wandgebundene Systeme bestehen aus Substrat- oder Modulelementen, die direkt an der Fassade befestigt werden und eine Begrünung auch dort ermöglichen, wo kein Bodenanschluss vorhanden ist. Sie bieten eine hohe gestalterische Flexibilität und erlauben eine gezielte Begrünung einzelner Fassadenbereiche oder ganzer Gebäudehüllen.


Gleichzeitig sind wandgebundene Systeme mit einem höheren technischen und pflegerischen Aufwand verbunden, da Bewässerung, Nährstoffversorgung und Befestigung dauerhaft sichergestellt werden müssen. Typische Einsatzbereiche sind dichte Innenstadtlagen, repräsentative Fassaden sowie Gebäude mit begrenzten Freiflächen.


🌱 Ergänzende wasserbezogene Systeme


Grüne Infrastruktur im Gebäudebereich wird häufig durch wasserbezogene Systeme ergänzt, die eine wichtige Rolle im Regenwassermanagement und in der Klimaanpassung spielen. Dazu zählen unter anderem Retentionsflächen und Mulden, Zisternen sowie Teiche mit Wasserpflanzen.


Diese Systeme unterstützen die Zwischenspeicherung, Versickerung und Nutzung von Niederschlagswasser, tragen zur Verdunstungskühlung bei und fördern die Biodiversität. Gleichzeitig lassen sie sich gut in Freiraum- und Außenraumkonzepte integrieren und ergänzen Dach- und Fassadenbegrünungen funktional.


Visual: Wasserbezogene Systeme zur Regenwasserrückhaltung im Gebäudekontext.

Beispiele für Retentionsflächen (Mulden), Zisternen sowie Teiche mit Wasserpflanzen zur Zwischenspeicherung, Versickerung und ökologischen Aufwertung von Niederschlagswasser.

Auswahl geeigneter Bausysteme


Die Auswahl geeigneter Bauweisen sollte systematisch erfolgen und sowohl die statischen und baulichen Voraussetzungen des Gebäudes als auch die jeweiligen klimatischen Zielsetzungen berücksichtigen. Ebenso sind der Pflege- und Wartungsaufwand, die geplante Nutzbarkeit der Flächen sowie genehmigungs- und förderrechtliche Rahmenbedingungen in die Entscheidung einzubeziehen. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Eigentümern, Planern und zuständigen Stellen ist dabei entscheidend, um eine fachlich fundierte, umsetzbare und langfristig tragfähige Lösung zu entwickeln.


Einordnung durch KGSK


KGSK unterstützt Eigentümer, Kommunen und Unternehmen bei der Auswahl und Kombination geeigneter Bausysteme grüner Infrastruktur. Ziel ist eine standortangepasste, wirkungsorientierte Lösung, die technische Machbarkeit, Klimaanpassung und langfristige Nutzung zusammenführt.


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